Kora Winter

Sommer, ein unbestimmter Ort in Brandenburg. Bauschutt, Staub, unverputzte Wände. Dieses Haus ist weit davon entfernt, in bewohnbarem Zustand zu sein. Der Schall des Schlagzeugs reißt ein Loch in die idyllische Stille des 700-Einwohner-Dorfes: KORA WINTER haben die Großstadt für einige Tage hinter sich gelassen, um hier an ihrem Debütalbum BITTER zu arbeiten. Weg von Druck, Verantwortung und Stress sollen die Gedanken frei für das Debütalbum werden. Was KORA WINTER zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen ist, dass sie mit BITTER gerade eine Notiz an sich selbst schreiben, die sie daran erinnern soll, dass sie vor genau diesen Gedanken nicht flüchten können. BITTER ist ein Fragment einer Generation, die sich in der Selbstfindung verliert. Geprägt von Schaffensdruck und Vergleichskultur, prädestiniert für Depressionsepisoden und der Angst sich zu entscheiden und etwas zu verlieren. Allerdings suhlen KORA WINTER sich nicht in Selbstmitleid. Im Gegenteil - mit BITTER hat die Band ein Album erschaffen, das Hörer*innen anpackt, sie an diesem dunklen Ort abholt und einen Weg aus der Gedankenspirale heraussucht.

 

Vom unergründlichen Frust hin zur Flucht in betäubende Substanzen, zur bitteren Einsicht dass die Probleme nicht woanders, sondern in sich selbst verankert sind. Was diese Erkenntnis zu erkennen gibt, ist, dass genau dort auch die Lösungen vergraben liegen. KORA WINTER wollen mit BITTER genau dorthin. Für das Album nimmt sich die Band nach vielen Tourneen und Supportshows für Szenegrößen wie THE HIRSCH EFFEKT, ROLO TOMASSI und TERA MELOS die nötige Auszeit, um die acht Songs reifen zu lassen. Trotz hoher Erwartungen und Lob seitens Kritikern und Fans für die letzte EP „WELK“ klingt BITTER nicht nach hastigem Zugzwang, sondern detailverliebtem Songwriting, welches sich sowohl inhaltlich als auch soundästhetisch durch die Arbeit von Nikita Kamprad (Ghost City Recordings, Sänger u. Gitarrist DER WEG EINER FREIHEIT) und Philipp Welsing (Original Mastering, u.A. VAN HOLZEN, CALLEJON, KARNIVOOL) klar von den Vorgängern unterscheidet. Es ist genau jenes Selbstbewusstsein, das KORA WINTER zu einer der spannendsten Newcomer-Bands im Deutschsprachigen Sektor macht. Ihr Sound ist hart und von Elementen modernen Metals und Post-Hardcores geprägt, doch ihre Energie und Message hinterlässt durch temperamentvolle Texte und einzigartiges Songwriting auch genreübergreifend einen bleibenden Eindruck. Fragen Sie mal Herbert Grönemeyer.

Text: Abdul Weingarten
Foto: Ginger Fierstein